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Neurozentriertes Training in der Rehabilitation: Was Reha-Kursleiter wirklich wissen müssen.

Einblicke aus einem Fachseminar für den Sportgesundheitspark Berlin e.V. und den Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin – und warum das Wissen über Neuroathletik allein noch keinen guten Reha-Gruppenkurs macht.

Einblicke aus meinem Fachseminar im Olympiapark Berlin – für den Sportgesundheitspark Berlin e.V. und den Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin (BSB)


Vor Kurzem durfte ich ein fünfstündiges Fachseminar zum Thema neurozentriertes Training in der Rehabilitation geben – auf Einladung des Sportgesundheitspark Berlin e.V., dem Zentrum für Sportmedizin in Berlin, gemeinsam mit dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin (BSB). Austragungsort war der Olympiapark Berlin. Zwei Institutionen, die im deutschsprachigen Raum einen Namen haben, wenn es um qualifizierte Rehabilitation und Reha-Sport geht – und deren Einladung mich besonders gefreut hat, weil sie zeigt, wie sehr neurozentriertes Training inzwischen auch in der etablierten Reha-Landschaft angekommen ist.

Mit dabei waren knapp sechzehn Fachleute: Leiterinnen und Leiter von Rehabilitationsgruppenkursen, Sportlehrer, Sportwissenschaftlerinnen. Einige hatten bereits Neuroathletik-Fortbildungen bei anderen Anbietern besucht. Und genau bei diesen Teilnehmenden habe ich einen Satz gehört, den ich inzwischen in fast jedem Seminar höre:

„Ich verstehe das Konzept. Aber ich habe keine Ahnung, wie ich das in meinen Reha-Kurs mit fünfzehn Leuten bringen soll.“

Und genau da liegt das Problem, über das in der Neuroathletik-Szene viel zu wenig gesprochen wird.

Neurozentriertes Training ist nicht gleich neurozentriertes Training

Die meisten Fortbildungen im Bereich Neuroathletik und neurozentriertes Training sind auf die Einzelarbeit ausgerichtet. Das ist auch logisch, denn dort feiert dieser Ansatz seine spektakulärsten Erfolge: präzises Assessment, individuelle Drills, sofortige Re-Checks, sichtbare Ergebnisse in Minuten. Wer einmal erlebt hat, wie eine einzelne Augenübung einen chronischen Schulterschmerz in Sekunden verändert, wird das nicht mehr vergessen.

Aber dann steht dieselbe Trainerin am nächsten Morgen in ihrem Rehakurs vor fünfzehn Menschen. Unterschiedliche Diagnosen. Unterschiedliche Tagesformen. Keine Zeit für Einzelassessments. Keine Möglichkeit, bei jedem einzeln nachzuschauen, ob der Drill die richtige Richtung hat. Und plötzlich wird aus dem genialen Werkzeug ein Rätsel: Wie dosiere ich? Welche Drills funktionieren kollektiv? Was mache ich mit jemandem, bei dem die Übung das Gegenteil auslöst? Wie lange? Wie intensiv? Und vor allem: Woher weiß ich, dass es wirkt, wenn ich nicht bei jedem einzelnen nachfühlen kann?

Das sind keine theoretischen Fragen. Das sind die Fragen, die entscheiden, ob neurozentriertes Training in der Rehabilitation tatsächlich ankommt – oder ob es ein schönes Konzept bleibt, das nach zwei Kursstunden wieder in der Schublade verschwindet.


Warum das Gehirn in der Reha die eigentliche Hauptrolle spielt

Bevor ich auf die Gruppenfrage zurückkomme, lohnt sich ein Blick auf das, was die Neurowissenschaft inzwischen ziemlich eindeutig zeigt: Rehabilitation ist Gehirnarbeit. Viel mehr, als die meisten klassischen Reha-Konzepte annehmen.

Jede Bewegung, die ein Patient oder Klient ausführt, ist zuerst eine Entscheidung seines Nervensystems. Bevor ein Muskel feuert, läuft im Hintergrund eine Sicherheitsabfrage: Wo bin ich im Raum? Sehe ich klar? Ist mein Gleichgewicht verlässlich? Sind meine Gelenkpositionen eindeutig? Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen unsicher ausfällt, reagiert das Gehirn mit Schutz. Muskeln verspannen. Bewegungen werden kleiner, vorsichtiger. Schmerzmuster halten sich hartnäckig – und niemand versteht, warum.

Eine 2025 im Fachjournal Healthcare erschienene Übersichtsarbeit zur vestibulären Rehabilitation fasst zusammen, dass die entscheidenden Wirkmechanismen nicht in Muskeln, sondern in neuroplastischen Veränderungen innerhalb der Vestibulariskerne, des Vestibulocerebellums und des parieto-insulären vestibulären Kortex stattfinden [1]. Übersetzt: Wenn sich ein Reha-Erfolg einstellt, passiert er im Gehirn. Training ist der Auslöser – die eigentliche Reparatur findet in den neuronalen Netzwerken statt.

Besonders bemerkenswert ist ein Befund aus der Forschung mit bildgebenden Verfahren: Bereits reines Gleichgewichtstraining verändert nachweislich die kortikale Dicke in visuellen und vestibulären Hirnregionen [2]. Das Gehirn wird unter dem richtigen Reiz messbar dicker – nicht metaphorisch, sondern anatomisch. Und in einer aktuellen Studie zur computergestützten vestibulären Rehabilitation waren die neuroplastischen Veränderungen nach nur zwölf Einheiten auch zehn bis zwölf Monate später noch nachweisbar [3].

Das ist die gute Nachricht: Neuroplastizität ist real, messbar und nachhaltig. Das Gehirn verändert sich, wenn man es richtig reizt – in jedem Alter.


Warum wir im neurozentrierten Training fast immer mit sensorischen Impulsen beginnen

Einer der häufigsten Irrtümer über Neuroathletik ist die Annahme, es gehe um ausgefallene Bewegungen. In Wahrheit geht es um Informationen. Das Gehirn braucht saubere Eingangsdaten, bevor es saubere Ausgangsbefehle produzieren kann. Deshalb starten wir in der Arbeit mit neurozentriertem Training fast immer mit sensorischen Impulsen.

Gemeint sind damit ganz konkrete, kleine Berührungsreize: leichtes Streicheln, sanftes Klopfen mit den Fingerspitzen, Vibration über einzelne Körperteile. Über die Haut bereiten wir den Körper auf Bewegung vor. Über die Gelenke verbessern wir gleichzeitig die Propriozeption – also die Fähigkeit des Gehirns, zu wissen, wo sich die einzelnen Körperteile gerade im Raum befinden. Das sind die Informationen, die das Nervensystem braucht, bevor es eine Bewegung überhaupt freigeben kann.

Der Grund, warum das so gut funktioniert, liegt in der Architektur des Gehirns. Eine sensorische Berührung aktiviert den präfrontalen Kortex. Und in der Neurologie gilt ein klares Prinzip: Das Gehirn wird von unten nach oben und von hinten nach vorne aktiviert. Der präfrontale Kortex liegt vor dem frontalen Kortex. Wenn wir also zuerst sensorisch arbeiten, aktivieren wir den präfrontalen Kortex – und der bereitet wiederum den frontalen Kortex auf die Bewegung vor. Erst dann wird Bewegung wirklich frei und effizient.

Das ist einer der Gründe, warum klassisches Reha-Training manchmal stagniert: Es beginnt oft direkt mit Bewegung, ohne dem Gehirn vorher die Information zu geben, die es für eine freie Bewegung braucht.

Im Seminar im Olympiapark haben wir übrigens genau das gemeinsam getestet – und es war einer der spannendsten Momente des Tages. Wir haben individuell ausprobiert, welche sensorischen Reize bei wem besser oder schlechter wirken. Und das Ergebnis war deutlich: Es gab Teilnehmende, die nach sanftem Streicheln sofort eine messbar bessere Beweglichkeit zeigten. Bei anderen hat ein völlig harmloses Papiertaschentuch, leicht über die Haut gezogen, eine echte Stressreaktion ausgelöst – eine Schreckreaktion des Nervensystems, die sofort zu einer Verschlechterung der Mobilität geführt hat. Auch ein Waterpad, das bei manchen wunderbar wirkt, hat bei anderen genau das Gegenteil bewirkt.

In der Gruppe musst du dir darüber allerdings keine Kopfschmerzen machen. Mein Grundsatz, den ich auch im Seminar in Berlin weitergegeben habe, lautet: Biete den Teilnehmenden eine breite Palette an und lass sie intuitiv wählen. Sanft mit den Fingerspitzen klopfen. Leicht über die Arme streicheln. Das Gesicht berühren, wenn es sich gut anfühlt – und weglassen, wenn nicht. Menschen spüren intuitiv, welcher Reiz ihrem Nervensystem gerade guttut, wenn man ihnen die Erlaubnis und die Auswahl gibt. Sie kommen fast immer auf den richtigen Weg, ohne dass du als Kursleiterin jeden Einzelnen individuell assessen müsstest. Das ist eines der Prinzipien, die neurozentriertes Training in der Gruppe überhaupt erst möglich machen.


Und jetzt zur Frage aller Fragen: Wie viel, wie lange, wie intensiv?

Das ist die Frage, die mir in jedem Seminar gestellt wird – und sie wurde auch im Olympiapark immer wieder aufgegriffen. Wie lange sollte ich Gleichgewicht trainieren? Wie viele Wiederholungen beim Augentraining? Wann ist es zu viel?

Und die Antwort überrascht die meisten: Weniger ist im neurozentrierten Training fast immer mehr. Das ist keine Floskel – das ist Neurophysiologie.

Das Nervensystem reagiert auf Reize in einem sehr schmalen Fenster. Zu wenig – und es registriert den Reiz gar nicht. Zu viel – und es geht in den Schutzmodus. Genau diesen Schutzmodus nennen wir im neurozentrierten Training gern den „Schreckreflex“ oder die Schutzreaktion des Gehirns. Wenn du im Augentraining zu weit oder zu schnell gehst, wenn du das Gleichgewicht zu stark forderst, wenn du die Atemarbeit zu intensiv ansetzt, bekommst du keine Verbesserung – du bekommst eine Verschlechterung. Muskeln verspannen, die Bewegung wird schlechter, der Schmerz stärker. Und das Schlimmste: Das Nervensystem lernt in diesem Moment, dass der Drill „gefährlich“ ist und wird ihn beim nächsten Mal noch schneller abwehren.

Deshalb arbeiten wir im neurozentrierten Training in der Gruppe mit kleinen Impulsen, die fein über die Stunde verteilt sind. Statt fünfzehn Minuten am Stück Augentraining zu machen, setze ich in einem Reha-Gruppenkurs vielleicht zwei Minuten am Anfang, eine Minute zwischendurch, zwei Minuten gegen Ende. Und jeder dieser Mini-Impulse hat einen klaren neurologischen Zweck – aber er bleibt so kurz, dass das Nervensystem ihn als Information, nicht als Bedrohung wahrnimmt.

Die Dosis entscheidet. Und die richtige Dosis ist in der Regel deutlich kleiner, als die meisten vermuten.


Warum Augentraining in der Reha kein Kuriosum ist

Wenn ich in Seminaren zeige, dass ich in Reha-Kursen Augentraining einbaue, erlebe ich regelmäßig denselben Moment: erst ein leichtes Augenrollen – und dann Verblüffung, sobald das Warum auf dem Tisch liegt.

Das visuelle System liefert dem Gehirn den mit Abstand größten Teil der Informationen, die es zur Orientierung im Raum nutzt. Wenn Augenbewegungen nicht sauber laufen – und damit meine ich nicht die Sehschärfe, sondern die Steuerung der Augenmuskulatur, die Blickstabilisation, die Konvergenz, die Sakkaden – dann bekommt das Gehirn unzuverlässige Daten. Und ein Nervensystem mit unzuverlässigen Daten trifft unzuverlässige Entscheidungen. Es zieht sich zurück. Es wird vorsichtig. Es produziert exakt jene Symptome, die viele Patientinnen und Patienten aus ihrem Reha-Alltag nur zu gut kennen: Schwindelgefühle, Instabilität beim Gehen, Spannungsmuster, die sich durch kein noch so fleißiges Krafttraining lösen lassen.

Auch hier gilt das Dosierungsprinzip besonders streng. Augentraining ist einer der sensibelsten Hebel im neurozentrierten Training – und einer der Bereiche, in denen Überdosierung am schnellsten passiert. Ein paar saubere Sakkaden, eine kurze Blickstabilisation, eine kleine Konvergenzübung – das kann in der Gruppe schon reichen, um einen echten neurologischen Impuls zu setzen. Mehr ist nicht besser. Mehr ist oft das Ende jeder Wirkung.

Die Forschung zur vestibulären Rehabilitation zeigt seit Jahren, dass gezielte Augen-Kopf-Koordinationsübungen die Genesung nach Gleichgewichtsstörungen deutlich beschleunigen – und zwar über Mechanismen, die in den Bahnen zwischen Kleinhirn, Hirnstamm und visuellem System stattfinden [4]. Das ist keine Esoterik. Das ist seit den 1940er Jahren (Cawthorne-Cooksey) bekannt und seitdem immer weiter verfeinert worden.


Das Kleinhirn: der heimliche Dirigent jeder Bewegung

Das Kleinhirn beherbergt mehr als zwei Drittel aller Neuronen des gesamten Gehirns. Es ist der Ort, an dem Bewegungspräzision, Timing und die Feinabstimmung motorischer Programme entstehen. Wenn das Kleinhirn ungenau arbeitet, wird jede Bewegung ein bisschen wackelig, ein bisschen unsicher, ein bisschen „zu viel“ oder „zu wenig“.

In der Rehabilitation ist das Kleinhirn deshalb eine der wichtigsten Eintrittstüren überhaupt. Neurowissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass Kleinhirn-abhängige Lernprozesse messbare strukturelle Veränderungen im Gehirn hinterlassen – und dass diese Veränderungen ausstrahlen: bis in den motorischen Kortex, bis in die Koordinationsfähigkeit alltäglicher Bewegungen, bis in das Gefühl von Sicherheit beim Gehen [5]. Eine Studie an Kindern mit Koordinationsstörungen konnte nach nur zehn Wochen gezielten Trainings Zuwächse an grauer Substanz im Kleinhirn und im Hirnstamm nachweisen [6]. Zehn Wochen. Das ist die Zeit, die zwischen zwei Quartalen in einem Reha-Kurs liegt.


Atemtraining: der unterschätzte neurologische Hebel

Und dann ist da noch die Atmung. Ein Thema, das in klassischen Reha-Konzepten selten die Rolle spielt, die es verdient – und das in Gruppen zu einer besonderen Herausforderung wird, weil bewusst gelenkte Atemarbeit bei vielen Menschen innere Anspannung auslöst, besonders bei denen mit paradoxem Atemmuster oder mit Angstthematik im Hintergrund. Wer in der Gruppe plötzlich sagt „jetzt achten wir alle auf unseren Atem“, verliert oft genau die Menschen, die am meisten davon profitieren würden.

Dabei ist die Atmung einer der direktesten Zugänge zum autonomen Nervensystem, die wir überhaupt haben. Sie beeinflusst Herzratenvariabilität, vagalen Tonus, Schmerzwahrnehmung und die Fähigkeit des Gehirns, überhaupt in einen Zustand zu kommen, in dem Lernen stattfinden kann. Ein Nervensystem im Daueralarm lernt nicht. Ein Nervensystem im Schutzmodus baut keine neuen Bewegungsmuster auf. Atemarbeit ist deshalb in der Reha kein „nice to have“, sondern häufig die Voraussetzung dafür, dass alles andere überhaupt greifen kann.


Und jetzt kommt der Haken: Wissen ist nicht Können

Bis hierhin könnte jeder, der ein gutes Neuroathletik-Buch gelesen hat, mitkommen. Die Wissenschaft ist eindrucksvoll, die Mechanismen sind verstanden, die Effekte sind nachweisbar. Und trotzdem scheitern viele Trainerinnen und Trainer an genau dem Punkt, an dem es praktisch wird: bei der Umsetzung in der Gruppe.

Denn ein Reha-Gruppenkurs ist eine eigene Welt. Du hast nicht fünf Minuten Zeit für individuelle Assessments. Du hast keine Möglichkeit, bei jedem einzeln zu prüfen, ob eine Augenübung stabilisiert oder destabilisiert. Du musst Drills auswählen, die für eine heterogene Gruppe funktionieren, ohne die Empfindlicheren in den Schreckreflex zu treiben und ohne die Fitteren zu langweilen. Du musst Atemarbeit so einfädeln, dass niemand merkt, dass gerade Atemarbeit passiert – weil genau dieses Merken bei manchen alles zunichtemacht. Du musst wissen, wann du die schwächere und wann die stärkere Seite trainierst. Und du musst – das ist die ehrlichste Frage von allen – aushalten, dass du nicht bei jedem einzelnen sofortige Ergebnisse sehen wirst, obwohl die Wirkmechanismen längst arbeiten.

All das steht in keinem Neuroathletik-Buch. Und es steht auch in den allermeisten Fortbildungen nicht, weil die meisten Menschen, die Neuroathletik unterrichten, nie selbst über Jahre hinweg Reha-Gruppen geleitet haben.


Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis – und wo ich dazwischen stehe

Ich arbeite seit 2020 als Neuro Coach mit neurozentriertem Training. Das ist mein fachlicher Hintergrund, und das ist auch der Hintergrund, der mich ursprünglich in dieses Feld gebracht hat. Aber was mich von vielen anderen Stimmen in diesem Bereich unterscheidet, ist etwas anderes: Ich hatte über viele Jahre die Gelegenheit, in der Rehabilitation selbst mit Gruppen zu arbeiten. Woche für Woche. Kurs für Kurs. Mit Menschen, die ich über Wochen und Monate begleitet habe und bei denen ich sehen konnte, was wirkt, was nicht wirkt und was nur theoretisch schön aussieht.

Dieser doppelte Hintergrund ist selten. Viele Kolleginnen und Kollegen kommen entweder aus der Neuroathletik-Welt (viel Wissen über Drills, wenig Gruppenerfahrung) oder aus der klassischen Reha-Welt (viel Gruppenerfahrung, wenig neurozentriertes Wissen). Die Schnittmenge ist überraschend klein. Und genau in dieser Schnittmenge liegt das Material, das Reha-Kursleiterinnen und Kursleiter wirklich brauchen: nicht die hundertste Beschreibung eines Drills, sondern die Erfahrung, wie man ihn in einer echten Gruppe einbaut, dosiert, abbricht, variiert – und wie man über Wochen hinweg beobachtet, ob er das tut, was er tun soll.

Genau dieses Material gebe ich weiter. Nicht theoretisch. Nicht aus dem Lehrbuch. Sondern als erprobte Praxis, aus jahrelanger Beobachtung an echten Menschen in echten Kursen.


Wie schnell sieht man Ergebnisse? Und spielt das Alter eine Rolle?

Das sind die zwei Fragen, die in jedem meiner Seminare kommen – und sie sind auch im Olympiapark gestellt worden.

Zum Alter kann ich aus meiner Praxis eine klare Antwort geben: Nein, das Alter ist nicht der entscheidende Faktor. Ich hatte Klientinnen mit über 84 Jahren, die nach wenigen Wochen konsequenten neurozentrierten Trainings spürbare Verbesserungen ihrer Bewegungsqualität, ihres Gleichgewichts und ihrer allgemeinen Sicherheit berichtet haben. Das deckt sich auch mit der neurowissenschaftlichen Forschung: Neuroplastizität verlangsamt sich mit dem Alter ein wenig, aber sie verschwindet nicht. Das Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig – vorausgesetzt, man reizt es richtig.

Die viel entscheidendere Frage ist eine andere: Wie hoch ist die intrinsische Motivation der Person? Und genau da liegt der Punkt, der in Reha-Kursen oft unbequem ist. Ich habe Menschen gesehen, die über viele Wochen trainieren und kaum etwas bemerken – nicht, weil das Training nicht funktioniert, sondern weil auf einer tieferen Ebene etwas nicht bereit ist, Veränderung zuzulassen. Neuroplastizität braucht mehr als Fleiß. Sie braucht den inneren Willen, sich zu verändern. Und den kann niemand von außen installieren, auch die beste Trainerin nicht.


Die 50/50-Regel: Warum du als Trainerin nur die eine Hälfte mitbringen kannst

Das ist eine der wichtigsten Einsichten aus meiner Arbeit – und eine, die ich auch im Seminar mit den Berliner Reha-Kursleiterinnen und -leitern deutlich betont habe. Als Trainerin, Therapeut oder Rehabilitationssportlehrer bist du für 50 Prozent der Veränderung zuständig. Nicht mehr. Nicht weniger.

Deine 50 Prozent bestehen aus deiner Expertise: den richtigen Reizen, der richtigen Dosis, dem richtigen Timing, der klaren Anleitung, der Fähigkeit, ein sicheres Lernumfeld zu schaffen, in dem das Nervensystem überhaupt in einen lernfähigen Zustand kommt. Das ist dein Beitrag, und den kannst du immer weiter verfeinern.

Die anderen 50 Prozent gehören den Menschen in deinem Kurs. Ihre Motivation. Ihre Bereitschaft. Ihr Alltagsverhalten. Ihre Entscheidung, die kleinen Impulse aus der Stunde mit nach Hause zu nehmen. Ihre innere Bereitschaft, zu spüren und zu verändern. Darauf hast du keinen Zugriff – und das zu akzeptieren, ist eine der wichtigsten professionellen Haltungen, die ich in diesem Feld gelernt habe. Du kannst niemanden heilen, der nicht heilen will. Aber du kannst jedem, der bereit ist, die bestmögliche Tür öffnen.


Wenn du Reha-Kurse leitest und neugierig geworden bist

Dann ist dieser Artikel wahrscheinlich kein Zufall für dich. Vielleicht hast du selbst schon Neuroathletik-Seminare besucht und stehst vor genau dem Problem, mit dem meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Berlin zu mir gekommen sind: Das Konzept überzeugt dich – aber die Brücke zur Gruppe fehlt.

Diese Brücke ist genau das, woran ich in meinen Seminaren und in meiner Arbeit als Neuro Coach kontinuierlich baue. Wenn du spürst, dass neurozentriertes Training das fehlende Puzzleteil in deiner Reha-Praxis sein könnte, melde dich gern. Seminare, Fortbildungen, individuelle Begleitung – ich zeige dir, wie aus Theorie erprobte Praxis wird, die in deiner Gruppe ankommt, ohne die Empfindlichsten zu überfordern und ohne die Stärksten zu langweilen.

Das Gehirn deiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist bereit zu lernen. Die Frage ist nur, ob jemand da ist, der weiß, wie man es richtig anspricht.


Disclaimer

Dieser Artikel stellt keine ärztliche oder therapeutische Beratung dar. Die beschriebenen Inhalte spiegeln meine Erfahrungen und Empfehlungen als Neuro Coach wider. Neurozentriertes Training ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an deinen Arzt oder deine Ärztin.


Literaturverzeichnis

[1] Chiarella, G. et al. (2025): Updated Views on Vestibular Physical Therapy for Patients with Vestibular Disorders. Healthcare, 13(5), 492. https://www.mdpi.com/2227-9032/13/5/492

[2] Rogge, A.-K. et al. (2018): Exercise-induced neuroplasticity: Balance training increases cortical thickness in visual and vestibular cortical regions. NeuroImage, 179, 471–479.

[3] David, E. A. et al. (2025): Posturographic sensory ratios provide evidence for neuroplasticity after computerized vestibular rehabilitation therapy in a single group interventional trial. Journal of NeuroEngineering and Rehabilitation, 22, 81. https://jneuroengrehab.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12984-025-01608-w

[4] Han, B. I., Song, H. S., & Kim, J. S. (2011): Vestibular Rehabilitation Therapy: Review of Indications, Mechanisms, and Key Exercises. Journal of Clinical Neurology, 7(4), 184–196. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3259492/

[5] De Zeeuw, C. I. & Ten Brinke, M. M. (2015): Motor Learning and the Cerebellum. Cold Spring Harbor Perspectives in Biology, 7(9). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4563713/

[6] Izadi-Najafabadi, S. et al. (2022): Cerebellar Differences after Rehabilitation in Children with Developmental Coordination Disorder. Brain Sciences, 12(7), 856. https://www.mdpi.com/2076-3425/12/7/856

 
 
 

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